Diesem sehr sympathischen Restaurant in einer weniger sympathischen Gegend Kölns widme ich meinen zweiten Besuch binnen einiger Wochen. Besonders gespannt ich, ob mein etwas angeschlagener Eindruck des ersten Besuchs wettgemacht werden kann.
Der erste Besuch war leider eher ein Diminuendo; will heißen: die Vorspeise war exzellent (Kalbsbries mit glasierten Haselnüssen auf Enten-Jus mit Amontillado, dazu kleiner Zwiebelkuchen und Sandwich von Chicorée mit Entenconfit); das Hauptgericht war leider recht unharmonisch und kam etwas plump daher (Milchkalbsrücken, der viel zu kreuzkümmellastig war, dazu eine hausgemachte Barbecue-Sauce, die, zusammen mit dem Cumin, das Kalb leider völlig untergehen ließ); und das Dessert war handwerklich fehlerhaft – der Schokoladenkuchen zerbröselte aus Mangel an Butter in trockene kleine Stücke. Dabei waren stets alle Zutaten von erkennbar bester Qualität, und die Anrichtung sehr ansprechend und kreativ. Es muss also noch besser gehen; vielleicht wollte heute nur keiner so recht.
Und es geht besser. So bin ich gestern, bei meinem zweiten Besuch, äußerst zufrieden mit dem Auftakt: Gebratene Jakobsmuscheln mit Artischocken auf Paella-Jus (halbiert, und perfekt auf einer Seite gebraten), dazu, alles jeweils getrennt in kleinen Schälchen, Frikassee von Scampi und Calamaretti mit Limone und Kokosmilch (sehr überzeugend) sowie Taschenkrebs-Aspik mit Gemüsegurke (ein passend frischer Schlussakkord dieser Vorspeise).
Als Zwischengang habe ich ein Kaninchen-Porchetta mit Pistazien und dreierlei Senf–Cremone, Blauschimmel und Schalotten-, Tomaten-Mozzarella und Waldorf Salat. Der Porchetta wird in drei Teilen auf dem Teller präsentiert, die Beilagen wieder als Schälchen dazu. Geschmacklich ist die Komposition in Ordnung, das Kaninchenfleisch jedoch ein wenig zu trocken. Ganz große Klasse ist der Waldorf-Salat.
Die Hauptspeise ist hervorragend. Das irisches Rinderfilet wird in zwei Stückchen, perfekt à point gebraten, auf einem Teller serviert. Dazu wird ein Schüsselchen mit einer luftigen Béarnaise gereicht sowie ein Schälchen mit zerdrückten Kartoffeln in Olivenöl mit Kräutern; auch dazu gibt es – diesmal dezent mit Cumin akzentuierte – Möhrchen. Das Fleisch ist von herausrangeder Qualität. Ein wunderbar ausgewogenes Gericht, das Lust auf mehr macht.
Der 1999er Grand-Puy-Lacoste geht nun auch zur Neige; er war in Summe noch recht verschlossen, aber ein gefälliger Begleiter mit Beeren- und Zimtnoten und einem mittleren Abgang (Eigenbewertung: 86/100). Besonders sympatisch fällt mir bei diesem Besuch auch auf, dass sich Herr Menchon noch an den von mir beim letzten Mal ausgewählten Wein erinnert, den Volnay 1er Cru „Clos d’Audignac“ von la Pousse d’Or (EB 90/100), der mir bis dahin nicht bekannt war und, wie ich erfuhr, auch noch nicht allzu lange von der Domaine angeboten wird.
Das Dessert – ich bestelle erneut einen Schokoladenkuchen - kommt diesmal schmackhaft saftig daher. Vielleicht hat sich jemand ja meine damalige Kritik zu Herzen genommen.
Herr Eric Menchon und sein Team sind sehr sympatisch und aufmerksam, die Atmosphäre ist locker, aber auf hohem Niveau – eine äußerst seltene, angenehme Kombination. Man kann dieses Zwei-Sterne-Restaurant auch ohne Schwierigkeiten mit Jeans und Pullover aufsuchen. Für den zweiten Stern fehlt mir persönlich noch etwas mehr Rafinesse, weniger Schwankung.
Ich würde hier jederzeit wieder einkehren und freue mich auf einen nächsten Besuch.
(Michelin: ** / Gault Millau: 18 / Feinschmecker: FFFf / Eigenbewertung: *)